Uncle Ben's Blog-Hütte

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Samstag, Dezember 02, 2006

Ein Ausflug in der neuen Welt

Tja, die Zeit im herbstlichen Toronto ist zu Ende aber die Berichterstattung liegt noch vor mir. Wie war das mit dem "Past Tense"? - Aber der Englischunterricht ist ja auch zu Ende :-) Alles vergangen, aber längst nicht vergessen! (Hoffentlich auch nicht die Lehrinhalte)

Eigentlich wollte ich diese Zeilen noch vor dem endgueltigen Klick meines Kofferschlosses schreiben (und den Großteil habe ich auch noch in Toronto geschrieben, wie Ihr an den Sonderzeichen merken könnt :-)), aber die Zeit hat mich eingeholt und hier in Deutschland kommt man ja zu gar nix mehr.

Nun denn, es folgen also noch "ein paar Zeilen" ueber meine (fast letzten) Erlebnisse In Kanada:


Nach einigem hin und her hatte ich am letzten Wochenende meiner Reise endlich die Moeglichkeit mal aus Toronto rauszukommen und Richtung Sueden zu ziehen. Ein kleines Busunternehmen in Toronto bietet Studentenausfluege an die Niagrafaelle fuer wenig Geld an. Die Preisspanne fuer Tagesausfluege liegt irgendwo zwischen 35 und 150 $. Ich wollte zwei Tage hin und dies mit moeglichst geringem finanziellen Aufwand. Vielleicht habe ich ja mir unbekannte schwäbische Vorfahren!? Nachdem der erste Anruf bei einem von lonely-planet (ein renomierter Reiseführer) empfohlenen Reiseveranstalter vergeblich war (die wussten nichts von ihrem Angebot, welches ich jedoch als aktuellen Prospekt vor mir liegen hatte...!? Keine Empfehlung daher für JoJo-Tours) kam ich dann zur magic-bus-company. Hier bekam ich dann eine 2 Tagestour einschliesslich Uebernachtung im Hostel fuer 75 $, was gerade 5 $ mehr waren, als geplant. Egal, ich bin ja kein Schwabe!

Am Abend vor der kleinen, grossen Reise zappte ich mich ein bisschen durch die 5 Millionen Fernsehkanaele und sah - wie sollte es anders sein - 5 Minuten des Films "Hostel". Fuer alle die wissen was dies fuer ein Film ist, die ahnen und teilen meine schlimmsten Befuerchtungen fuer die kommende Nacht. Nur kurz fuer die Unwissenden: Ein Hostel ist eine Art Jugendherberge und der Film "Hostel" ist ein absolut blutiger (und m.E. unsehenswerter!) Horrorfilm. Nach 5 Minuten schaltete ich jedoch schnell wieder ab, um mich wieder auf die bevorstehende Reise zu freuen.

Die Fahrt war nett und die Reisgruppe war klein (nur 5 Leute aus aller Welt). Leider war an diesem Tag, irgendwo musste ja der Haken sein, auf dem Highway wegen eines Unfalles ein laaaaanger Stau, was die Fahrt leider entsprechend ebenfalls in die Laenge zog. Außerdem war Remembrance Day, von dem ich aber dann doch gar nicht so viel mitbekommen habe. Wir brauchten auf jeden Fall über 2 Stunden nur um aus Toronto rauszukommen.

Dann machten wir einen Zwischenstop um unsere Maegen zu fuellen (diesmal hatte ich, um die Ernaehrung weiterhin ausgewogen zu halten, meinen Hamburger von Wendys. Der Burger wird mir sicherlich nicht geschmacklich in Erinnerung bleiben, dafuer wa er einfach zu "normal", aber optisch um so mehr. Denn die Fleischeinlagen bei Wendys sind eckig... nicht nur die Römer, sondern auch die Nord-Kontinental-Amis spinnen...) und alsbald ging es dann weiter zum naechsten Zwischstop.

Diesmal eine Winery (ein Weingut), die uns eine kleine Kostprobe des edlen Eisweins hat Kosten lassen. Dieser teure Tropfen ist so suess, dass man schon eher meint einen Likoer zu trinken. Und der hohe Preis kommt durch die aufwendige Weinlese zu Stande. Die Trauben werden waehrend einer (kalten) Nacht geernet und gefroren gepresst, was zu einem sehr hohen Zuckergehalt fuehrt... Keine Ahnung wieso, aber so aehnlich haben die uns das erklaert... Und wie so vieles im Leben ist auch hier das Ergebnis geschmacksache!

Und wieder auf und davon in Richtung Niagarafaelle. Eigentlich wollten wir uns noch "Niagara on the lake", die (ganz) fruehere Hauptstadt von Oberkanada, auf dem Weg angucken. Aber da mittlerweile die Zeit vorangeschritten war und die anderen Tourteilnehmer nur diesen Tag (ohne Uebernachtung) gebucht hatten, wurde es immer eiliger und wir liessen das ausfallen. Witzig dabei fand ich nur, dass uns am Anfang gesagt wurde wie schoen und sehenswert dieses Staedtchen doch sei und dann spaeter (als die Zeit knapp wurde) wie touristisch und kitschig... Ieh werde es vielleicht nie selbst herausfinden!

Wir waren nun endlich am wohl bekanntesten Wasserfall der Erde angekommen. Es war schon spaet und die Daemmerung war schon langsam am kommen, der Tag am gehen und der Regen am bleiben. Das ist halt das Risiko im November. Der klare Vorteil liegt wiederum darin, dass nicht so viele Touristen da sind. Immer noch genug!


Die Niagarafaelle fallen ca. 50 Meter in die Tiefe und wenn man da so runterschaut kann man kaum glauben, dass es schon Menschen gab die dies ueberlebt haben. Ich habs auch ueberlebt! Und wenn es so von oben regnet, von den Seiten windet und sich die Gicht der Niagarafaelle noch in das Ganze miteinmischt, dann hat man den Eindruck es wuerde von allen Seiten regnen. Gut, dass man in einem von den Souvenirgeschaeften gleich einen 2-$-gelben-Sack kaufen kann, der einem vor der Naesse schuetzt. Von den Touristen kann man es ja nehmen. Auch wenn es wie ein billiges Plagiat der Uniform der Stadtreinigung ausschaut, scheint dies hier keinen gross zu kuemmern. Wahrscheinlich sinkt die Scham wenn sich einfach genuegend Leute zusammenfinden, die sich gleichermassen scheusslich "kleiden". Also kaufte ich mir auch einen solchen Sackumhang und machte mit...

Warum man allerdings nicht nur die Touristen peinlich aussehen lässt, sondern auch die Niagarafälle in Pink und anderen merkwürdigen Farben bestrahlt weiß ich nicht. Aber dem Wasser ist es wahrscheinlich egal und die Nordamerikaner stehen ja scheinbar auf alles bunte was nicht mehr ganz natürlich ausschaut. Wie war das mit der "Geschmackssache"?


Ein Gang ueber die Rainbowbridge, in das benachbachte Land der unbegrenzten Moeglichkeiten, verschafft einem dann noch mal eine neue Perspektive. Ich fand die US-amerikanische Seite fast schoener, da hier kaum Leute und viel weniger auf den Tourismus eingegangen wird. Man hat noch vielmehr den Eindruck in der Natur zu sein, als in einem riesigen Erlebnispark.

Waehrend die Faelle hinabstuerzen bringen sie normalerweise ein gewaltiges Rauschen mit sich. Nur im Jahr 1969 haben die Amerikaner die Faelle mal fuer Vorschungszwecke einen Tag "ausgeschaltet". Schon bedenklich, in was mensch sich so alles einmischen kann (meint zu koennen...).

Tipp fuer das Rauschen zu Hause: Ganz leicht kann man sich dieses Gerausch daheim selbst verschaffen, in dem man einen freien Kanal auf seinem Fernsehgeaet einstellt und dann den Lautstaerkepegel ganz laut aufdreht. Wenn man sich dazu dann noch unter die kalte Dusche stellt und die Augen schliesst, ist die Illusion nahezu perfekt! Versuchts einfach mal und gebt mir bescheid, ob's klappt...

Es ist schon gewaltig, vor allem wenn man dann liesst, dass nur ein Viertel des vorhandenen Wassers die Faelle hinabstuerzt, da der Rest der Stromgewinnung dient.

Strom braucht man hier auch in grossen Mengen. Denn nicht nur dass die Niagarafaelle nach Einbruch der Dunkelheit von Scheinwerfern in alle moeglichen Farben getaucht werden (wer braucht denn sowas?), sondern auch das anliegende Fallsview mit seinen tausenden von Blinklichtern, Reklametafeln und Hotels, Casino etc. verbraucht wohl mehr als Energie als eine deutsche Grossstadt. Wem das Erlebnis, das einem die Natur hier zu bieten hat, nicht ausreicht, der kann in dem kleinen Las Vegas sein Glueck versuchen.

Neben den besagten Einrichtungen gibt es hier auch noch Kinos, jede Menge Souvenirgeschaefte, Museen und Restaurants. Doch auch ich konnte den Konsumtempeln nicht ganz widerstehen und habe mich dann besonders ueber das "Planet-Hollywood" gefreut. Ein Hamburger-Restaurant in dem allemoeglichen Requisiten aus Filmen und Autogramme ausgestellt sind. Ausserdem wurde der Trailer fuer Rocky 6 gezeigt... Da freu ich mich schon auf den 8. Februar 2007!

Leider waren es zu wenige Pommes... (um nochmal auf den Burger zurückzukommen)

Die Nacht verbrachte ich dann in dem (zu unrecht gefürchteten und) sehr netten und sauberen Hostel um am naechsten Tag die Gegend nochmals in Ruhe zu erkunden, mich mit Souvernirs einzudecken und letzlich am Abend wieder den Heimweg anzutreten. Ich konnte ja nicht das ganze zuvor beschriebene am letzten Abend erkunden, aber 1,5 Tage reichen dann auch vollkommen aus.

Wobei man noch jede Menge Geld hätte da lassen können und es noch einiges zu erleben gäbe. So beispielsweise ein Hubschrauberrundflug oder auf einen der Aussichtstürme zu fahren oder eine Bootsfahrt unter den Niagarafällen (dies allerdings nur vom Frühjahr bis Oktober wegen Eisgefahr) oder oder oder - um nur einige ausgewählte Attraktionen zu erwähnen. Langweilig wirds einem auf jeden Fall nicht so schnell.

Auf der Heimfahrt war der Bus mit ca. 40 Insassen wesentlich voller als auf dem Hinweg (der Bus war auch größer). Und auch hier war mal wieder ein multikulurelles Mischmasch, wie ich es hier schon fast gewohnt bin.
Eine brasilianische Teenager-Sprachreisegruppe (oder so was ähnliches...) hatte den Bus fast alleine gefuellt und um mich herum sassen dann noch eine Leipzigerin, die in der Schweiz lebt und eine Oestreicherin.

In den kommenden Tagen, es lag schliesslich noch etwa eine Woche vor mir, gab es natuerlich noch viel zu erkunden. Einige Dinge habe ich ja schon in meinem letzten Eintrag angekuendigt.

Es ist schon interessant, wenn man sich selbst die Erlebnisse noch mal vor Augen hält, wie viel man in 3 Wochen getan und gesehen hat. Und selbst die seitenlangen Berichte geben bei weitem nicht alles wieder.

Ein paar Dinge stehen noch aus, ich weiß. Aber jetzt wirds mir mal wieder zu lange, so dass ich entweder alles weitere muendlich weitergebe (vieles ist ja auch schon gesagt) oder zu einem spaeteren Zeitpunkt nachtrage.

Es ist schon wieder spät, ähnlich wie zu dem Zeitpunkt vor 2 Wochen als ich den Artikel (eingentlich, grötenteils) schrieb. Daher gehe ich jetzt ins Bett und verabschiede mich vorerst mit den Worten: "Gute Nacht!"